
Über Sita: Spezialist in der "Nische der Nische"
Sita wurde 1976 gegründet und feiert im nächsten Jahr bereits sein 50-jähriges Bestehen. Mit rund 122 Mitarbeitern produziert das Unternehmen Gullis und Lüfter für die Flachdachentwässerung – ein sehr spezialisierter Bereich, den Katharina Fricke als "Nische der Nische" bezeichnet. Anders als viele Wettbewerber, die auch Produkte für Steildächer oder innenliegende Entwässerung anbieten, konzentriert sich Sita ausschließlich auf die Flachdachentwässerung.
Diese klare Fokussierung ermöglicht es dem Unternehmen, seinen Kunden ein umfassendes "Rundum-Sorglos-Paket" anzubieten, das weit über die Produkte hinausgeht: von technischen Berechnungsservices über Schulungen in ihrem 2021 eröffneten Sita Campus bis hin zu digitalen Daten für Architekten wie AutoCAD und BIM.
Der Weg zur neuen Marke: Ein zweijähriger Prozess
Der Rebranding-Prozess bei Sita begann 2016 und dauerte rund zwei Jahre bis zum offiziellen Launch auf einer Messe 2018. Ausschlaggebend für das Projekt war die Erkenntnis, dass der bisherigen Marke ein klarer Kern fehlte: "Wir wussten zwar, was wir tun, aber nicht so richtig, warum wir das tun", erklärt Fricke. Diese fehlende Klarheit erschwerte die konsistente Kommunikation – von Messeauftritten bis zu Social-Media-Inhalten.
Der Prozess verlief in mehreren Phasen:
1. Analyse
In der ersten Phase führte Sita umfangreiche Untersuchungen durch, um sowohl das Eigenbild als auch das Fremdbild der Marke zu verstehen:
- Online-Umfragen mit über 220 Kunden
- Tiefeninterviews mit Kunden
- Interne Mitarbeiterbefragungen aus allen Abteilungen
Dabei zeigte sich, dass neben funktionalen Aspekten wie Qualität und Know-how auch ein besonderes "Sita-Gefühl" existierte, das jedoch noch nicht klar definiert war. Ein aufschlussreicher Test: Als man Mitarbeitern Webtexte von Sita und einem Wettbewerber (ohne Nennung der Markennamen) vorlegte, konnten über 50% nicht erkennen, welcher Text von ihrem eigenen Unternehmen stammte.
2. Positionierung
In einem zweitägigen Workshop mit Vertretern aus verschiedenen Abteilungen – vom Geschäftsführer über Vertriebler bis zum Produktmanager – arbeitete das Team an der emotionalen Positionierung der Marke. Zentrale Fragen waren:
- Welche Bedeutung hat das Unternehmen für den Markt?
- Wohin soll sich die Marke entwickeln?
- Was soll mit der Marke verbunden werden?
Ziel war es, eine relevante und einzigartige Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb zu finden und gleichzeitig die Herausforderungen der Zielgruppen zu adressieren.
3. Kreative Umsetzung und Launch
Mit Unterstützung einer Agentur wurde die neue Markenidentität entwickelt und 2018 offiziell vorgestellt.
Leichtigkeit als Markenkern
Als Ergebnis des Prozesses identifizierte Sita "Leichtigkeit" als zentrales Markenversprechen – ein Konzept, das in einer zunehmend komplexen Welt für Einfachheit und Klarheit steht.
"Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt, und da gilt es für Einfachheit zu sorgen", erklärt Fricke. "Kompliziert sein ist leicht, aber Einfachheit verlangt nach sehr viel Arbeit."
Das Unternehmen wendet dieses Prinzip auf alle Bereiche an – von der Produktentwicklung bis zur Kommunikation. Für jede Zielgruppe bedeutet Leichtigkeit etwas anderes:
- Für Architekten: Wenn Sita Berechnungen und Ausschreibungen vorbereitet, haben sie mehr Zeit für das Design.
- Für den Fachhandel: Selbsterklärende Produkte bedeuten weniger Beratungszeit und geringere Kosten.
- Für Dachdecker: Durchdachte Produkte sparen Zeit bei der Installation und reduzieren das Haftungsrisiko.
Die Auswirkungen des Rebrandings
Obwohl der direkte ROI eines Rebranding-Prozesses schwer zu beziffern ist, verzeichnet Sita deutliche positive Effekte:
Interne Ausrichtung
Die klare Markenausrichtung gibt allen Mitarbeitern eine gemeinsame Richtung vor – von der Produktentwicklung bis zum Marketing. Neue Produkte werden mit dem Gedanken der Leichtigkeit konzipiert, etwa als Komplett-Sets unter einer Artikelnummer.
Externe Wahrnehmung
Das Feedback von Kunden ist durchweg positiv. Besonders die klare und verständliche Aufbereitung von Informationen wird geschätzt, etwa durch zielgruppenspezifische Website-Einstiege oder die "Sita-Fibel", die technische Normen leicht verständlich erklärt.
Employer Branding
Ein unerwarteter Nebeneffekt: Die moderne Markenidentität zahlt stark auf das Employer Branding ein. In Bewerbungsgesprächen wird häufig die ansprechende Website und die klare Kommunikation positiv hervorgehoben.
Learnings für erfolgreiches B2B-Branding
Aus SITAs Erfahrungen lassen sich wertvolle Erkenntnisse für andere B2B-Unternehmen ableiten:
1. Das gesamte Team einbeziehen
"Es ist super wichtig, das komplette Team mitzunehmen – und zwar von Anfang bis Ende", betont Fricke. Nur wenn sich jeder Einzelne mit der Marke identifizieren kann, wird sie erfolgreich und authentisch gelebt.
2. Vertrauen als Basis
Vertrauen spielt eine zentrale Rolle – sowohl das Vertrauen der Geschäftsführung in das Marketingteam als auch das Selbstvertrauen der Marketingverantwortlichen in ihre Expertise, besonders wenn viele verschiedene Meinungen aufeinandertreffen.
3. Emotionale Differenzierung finden
Im B2B-Bereich unterscheiden sich viele Unternehmen kaum in ihrer Kommunikation. Eine emotionale Komponente zur Differenzierung zu finden, ist daher besonders wertvoll.
4. Kontinuierliche Weiterentwicklung
Ein Rebranding ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Die Marke muss kontinuierlich mit Leben gefüllt und weiterentwickelt werden.
mit dem Unternehmen in Kontakt kommen, vermittelt ein stringentes Design Vertrauen und Professionalität.
Besonders in technischen Branchen kann ein durchdachtes Design helfen, komplexe Produkte und Prozesse verständlicher zu machen. Bei SITA werden beispielsweise verschiedene Produktkategorien farblich differenziert – Orange steht für Notentwässerung –, was die Orientierung erleichtert und einen Lerneffekt bei den Kunden erzeugt.
Zukunftsausblick und Herausforderungen
Für die Zukunft sieht Fricke vor allem zwei Herausforderungen:
- Anpassungsfähigkeit in einem schnelllebigen Umfeld: Die Marketingplanung muss flexibler werden, da langfristige Planungen in einer volatilen Welt immer schwieriger werden.
- Fachkräftemangel: Besonders im Bereich der gewerblichen Ausbildungsberufe wird es zunehmend schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Als wichtiges Zukunftsthema für B2B-Marketer nennt sie den sinnvollen Einsatz von KI – nicht nur durch die Einführung von Tools wie ChatGPT, sondern durch eine strategische Integration in alltägliche Marketingprozesse, sei es bei der Priorisierung von Aufgaben oder der Content-Generierung.
Du möchtest mehr über den Rebranding-Prozess von SITA erfahren? Die vollständige Podcast-Episode findest du auf Spotify, Apple Podcasts oder direkt auf unserer Website.